Wie groß ist Dein Nest?

Ein mir im Coaching immer wieder hilfreiches Modell ist das so genannte Lernzonen-Modell. Buchstäblich zentral ist dabei die Komfortzone. Ich nenne sie auch „das Nest“. Es ist der Raum in der Mitte. Hier fühlen wir uns zuhause, da wir von Gewohntem umgeben sind. Hier kennen wir uns aus. Hier möchte man sein, oder?

Gewohnt heißt nicht unbedingt gewollt. Viele Klienten kommen zu mir, weil Sie merken, dass sie ihr Nest als gar nicht mehr so angenehm empfinden. Vielleicht ist es auch nicht mehr das ihre. Gewohnheit gibt uns Sicherheit. Doch reicht uns Sicherheit, um zufrieden zu sein?

Mir persönlich nicht. Und Klienten, die aus ihrer Komfortzone heraus zu mir kommen, um sich beruflich neu zu orientieren, ebenfalls nicht. Sie suchen nach Neuem, nach Abwechslung, nach einer mehr oder weniger konkret gewünschten Veränderung in ihrem Leben.

Dafür begeben sie sich in die Lernzone. Hier erwarten uns neue Erfahrungswelten, Aufgaben und Herausforderungen, denen wir uns gerne hingeben und die wir imstande sind zu meistern. Hier wachsen wir. Wir bekommen neues Wissen, neue Fähigkeiten und Kompetenzen (oder bauen bestehende aus), erweitern unser menschliches Netzwerk.

Die Panikzone außerhalb der Lernzone birgt ebenfalls Chancen auf persönliches Wachstum. Jedoch fühlen wir uns dort (zunächst) überfordert. Hier treffen wir auf Krisen, Ängste, Leiden, auf scheinbar oder tatsächlich unüberwindbare Hindernisse in unserem Leben. Hier möchten wir uns nicht aufhalten. Wir tun – meist unbewusst – alles, um hier nicht zu landen. Da das Leben zwar planbar ist, aber trotzdem passiert (frei nach John Lennon), haben wir uns mit Situationen in unserer persönlichen Panikzone dennoch auseinanderzusetzen.

Um für solche Fälle gewappnet zu sein, ist ein umfangreiches „Ressourcen-Arsenal“ hilfreich. Ressourcen sind z. B. Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen, die uns in der Konfrontation mit einer Herausforderung nützlich sind. Mit ihnen können wir sie meistern. Und wie eine Trophäe bekommen wir bei einem Sieg neue hinzu. Ressourcen können wir uns auch gezielt in unserer Lernzone aneignen.

Übrigens ist die Komfortzone meiner Erfahrung nach nicht statisch. Sie hat bei einem längerem Aufenthalt in ihr die Tendenz zu schrumpfen. Anders ausgedrückt: Unser Horizont wird kleiner, wenn wir ihn nicht ständig aktiv erweitern. Es kann sogar zu Angst-Zuständen, die uns in unserem Nest festhalten.

Was kannst Du tun?

1. Nimm bewusst wahr, in welcher Zone Du Dich wann befindest.

2. Vermisst Du etwas im Leben (z. B. Sicherheit oder Abwechslung)?

3. Verlasse Deine persönliche Komfortzone immer wieder, um Deine Lernzone und Deinen Horizont zu erweitern, Ressourcen zu sammeln und für Herausforderungen gewappnet zu sein.