Vorbereitung auf Dein Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräche verlaufen sehr unterschiedlich. Und doch kannst Du Dich auf kommende Gespräche vorbereiten, um Dir mehr Sicherheit zu verschaffen. Im Grunde genommen geht es um ein gegenseitiges Kennenlernen. Du hast das Interesse des Unternehmens geweckt. Zum Vorstellungsgespräch wirst Du eingeladen, weil Dein potenziell neuer Arbeitgeber mehr über Dich wissen möchte. Im Wesentlichen geht es um die Frage:

Passen wir zusammen?

Dabei geht es um Deine Persönlichkeit, Deine Art und Weise, wie Du mit anderen Menschen, Herausforderungen, Stress, Konflikten usw. umgehst. Du kannst bei Deinen Antworten zu Deiner Person nichts wirklich falsch machen, denn entweder passt Du zum Vorgesetzten, Team und Unternehmen – oder eben nicht. Und schließlich hängt die Passung nicht nur von Dir ab, sondern auch vom Arbeitgeber und seiner Unternehmenskultur, von seinen Zielen und Vorstellungen. Bleib daher schlicht Du selbst.

Beziehung ist (fast) alles

Die Basis für eine gelingende Kommunikation ist Pflege der Beziehungsebene. Diese wird wesentlich gestaltet durch die non- oder paraverbale Sprache, kurz gesagt, alles, was bei einer Begegnung „zwischen den Zeilen“ kommuniziert wird. Es kommt auf das WIE der Kommunikation und des Verhaltens an, nicht so sehr auf das WAS (Sachebene). Eine positive Beziehung lässt sich am leichtesten gestalten durch eine entsprechende innere Haltung: Interesse, Aufmerksamkeit, Wertschätzung für Deine Gesprächspartner und das Unternehmen.

Ist die Gesprächsatmosphäre positiv, werden die eigentlichen Inhalte besser, also richtig, verstanden. Es gibt weniger Missverständnisse und mehr Raum zur Klärung. Tatsächlich werden inhaltlich negative Aussagen vom Gegenüber positiver bewertet. Für die inhaltliche Vorbereitung auf ein Gespräch mit Deinem potenziell neuen Arbeitgeber kannst Du Dich schon jetzt mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

Fragen an Bewerber

  • Erzählen Sie doch mal etwas über sich…
  • Weshalb haben Sie sich bei uns beworben?
  • Womit verdient unser Unternehmen Ihrer Meinung nach sein Geld?
  • Wo sehen Sie unser Unternehmen in drei Jahren?
  • Wann stoßen Sie an Grenzen?
  • Warum glauben Sie, dass wir ein guter Arbeitgeber für Sie sind?
  • Weshalb denken Sie, die richtige Besetzung für diese Stelle zu sein?
  • Warum sollten wir Sie nicht einstellen?
  • Arbeiten Sie lieber allein oder in einem Team?
  • Welche (drei) Stärken haben Sie und woran erkennt Ihr Umfeld diese?
  • Welche (drei) Schwächen haben Sie und wie gehen Sie mit ihnen um?
  • Was stört Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
  • Wie müsste Ihr perfekter Chef sein?
  • Was müsste passieren, damit Sie den Schritt zu uns bereuen?
  • Was hat Sie unabhängig von Schule und Beruf geprägt?
  • Wie motivieren Sie sich jeden Morgen aufzustehen?
  • Wie würde die Arbeit bei uns Ihre Partnerschaft beeinflussen?
  • Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
  • Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und weshalb?
  • Welche drei Wünsche hätten Sie an eine gute Fee?

Fragen an den Arbeitgeber

Doch Deine Vorbereitung endet an dieser Stelle noch nicht. Schließlich ist das Bewerbungsgespräch ein gegenseitiges Kennenlernen. Was möchtest Du also gerne wissen, um Dich für oder gegen diesen Arbeitgeber entscheiden zu können? Außerdem drückst Du mit Deinen (ehrlichen) Fragen zum Unternehmen auch Deine Wertschätzung aus, da Du Dein Interesse bekundest. Hier ein paar Fragen zu Deiner Inspiration:

  • Wieso ist diese Stelle vakant?
  • Welchen Anteil haben die verschiedenen Aufgaben?
  • Was ist die wesentlichste Erwartung an mich?
  • Wie werde ich eingearbeitet? Wer ist meine Ansprechperson?
  • Wie definiert sich mein Arbeitsumfeld inklusive Kollegen?
  • Wer ist mein direkter Vorgesetzter?
  • Wie groß ist mein Team?
  • Mit welchen Personen werde ich zusammenarbeiten?
  • In welchen Räumen bzw. an welchen Orten werde ich arbeiten?
  • Inwiefern kann ich meinen Arbeitsplatz gestalten?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich bei Ihnen?
  • Wie sind die Arbeitszeiten geregelt?
  • Was kann ich verdienen?
  • Wie sieht in der Regel mein Arbeitstag aus?
  • Welche Entwicklung ist aus der Position heraus möglich?
  • Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeiter?
  • Wie lange sind Sie selbst bereits in diesem Unternehmen tätig? Und wieso?
  • Warum gibt es dieses Unternehmen (Mission)?
  • Welche Fragen stellt sich Ihr Unternehmen aktuell bzw. vor welchen Herausforderungen steht es?
  • Wenn Sie an Ihr Team denken: Worin unterscheiden sich in Ihren Augen gute von sehr guten Mitarbeitern?
  • Wie wird man bei Ihnen erfolgreich?
  • Wofür muss ich mir als Mitarbeiter eine Genehmigung einholen?
  • Wie sind Sie als Unternehmen organisiert?
  • Wie wird bei Ihnen mit Fehlern umgegangen?
  • Wie fördern Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter?
  • Wann wird man bei Ihnen gefeuert?

Aber Vorsicht!

Mit manchen Fragen wirst Du wahrscheinlich Dein Gegenüber überraschen. Manche könnten sich auch provoziert fühlen. Gehe behutsam vor. Schließlich lernt Ihr Euch gerade erst kennen. Stelle die Fragen daher in einem passenden Zusammenhang und immer in der guten Absicht, Deinen künftigen Arbeitgeber so gut zu kennen, dass Du bestmögliche Dienste für ihn leisten kannst. Daran hat ja auch das Unternehmen ein Interesse. Es spricht übrigens für eine gute Vorbereitung, im Gespräch eine Liste mit Fragen dabei zu haben und durchzugehen. Rechne damit, dass Dein Gesprächspartner Dich fragt, ob er Deine Frageliste direkt einsehen darf. Gestalte Sie also bewusst (Schrift, Reihenfolge etc.).

Muss ich immer die Wahrheit sagen?

Jain. Grundsätzlich solltest Du bei der Wahrheit bleiben. Zum einen, weil Du dann weniger über Alternativen nachdenken musst, die Dich im Vorstellungsgespräch ablenken und unsicher machen könnten. Zum anderen, weil es Dich tatsächlich eine Menge Geld kosten kann, wenn Du Deinen Arbeitgeber hinters Licht führst.

Stellt Dich der Arbeitgeber aufgrund einer unwahren Angabe in Deiner Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch ein und findet er dies heraus, kann er den Arbeitsvertrag anfechten. Das wiederum bedeutet, beide Vertragsparteien sind nachträglich so zu stellen, wie es zum Vertragsabschluss war. So hättest Du trotz Deiner geleisteten Arbeit Deinen erhaltenen Verdienst sowie die gezahlten Arbeitgeber-Beiträge zur Sozialversicherung zurückzuzahlen. Das kann schnell ein ganz schönes Sümmchen werden. Sich einen Arbeitsplatz durch Lügen zu „erschleichen“, lohnt sich also definitiv nicht.

Das gilt allerdings nur, wenn Du bewusst falsche Angaben machst. Solltest Du zu kritischen Punkten gar nicht erst gefragt werden, gibt es erst einmal auch nichts zu beantworten oder zu erzählen. Damit kannst Du Informationen bewusst zurückhalten. Nach dem Motto: Was der Chef nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Bringst Du allerdings Einschränkungen mit, die auch Deine Arbeitsleistung in der beworbenen Stelle einschränken oder reduzieren, bist Du verpflichtet, diese Deinem Arbeitgeber vor Abschluss des Arbeitsvertrags anzugeben.

Intime Fragen

Bei bestimmten Fragen haben Gerichte in der Vergangenheit Bewerbern Recht gegeben, auch als sie gelogen haben. Dies gilt jedoch nur für unzulässige Fragen. Und die Abgrenzung zwischen zulässig und unzulässig ist nicht immer ganz einfach. Eine Lüge solltest Du auch bei einer unzulässigen Frage nur dann in Erwägung ziehen, wenn Du nicht ehrlich antworten möchtest, weil Dich eine ehrliche Antwort ungerechtfertigt benachteiligen oder sogar diskriminieren würde. Und das ist spätestens seit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes untersagt. Hier ein paar Beispiele für unzulässige Fragen:

  • Sind Sie schwanger?
  • Möchten Sie (weitere) Kinder?
  • Haben Sie einen festen Partner?
  • Sind Sie homosexuell?
  • Sind Sie Mitglied einer Gewerkschaft?
  • Wie sind Ihre finanziellen Verhältnisse?

Fragen zum Gesundheitszustand

Fragen wie „Waren Sie in den letzten Jahren häufiger krank?“ sind unzulässig und müssen nicht (wahrheitsgemäß) beantwortet werden. Fragen zu Krankheiten und Behinderungen müssen nur dann (korrekt) beantwortet werden, wenn der Arbeitgeber mit Einschränkungen Deiner Arbeitsleistung rechnen muss. Dann hat er ein so genanntes berechtigtes Interesse, es zu erfahren.

„Haben Sie Vorstrafen?“

Hier kommt es drauf an, ob Du einschlägig vorbestraft bist oder nicht. Einschlägig bedeutet, die Straftat steht in einem entsprechenden Bezug zur angestrebten Tätigkeit. Beispielsweise Diebstahl oder Unterschlagung eines Kassierers. Dann hat nämlich der Arbeitgeber ein „schützenswertes“ Interesse. In diesem Fall wäre die Eignung des Kassierers beeinträchtigt.

Fragen zur finanziellen Situation

„Liegt eine Lohn- und Gehaltspfändung vor?“ Hier musst Du wahrheitsgemäß antworten. Aber nur, wenn Du überhaupt gefragt wirst. Fragen zur Insolvenz hast Du zu beantworten, sofern Du in Deiner Arbeitsstelle mit fremdem Geld zu tun hast.

Viele Möglichkeiten

Dir bleiben also – abhängig von den Fragen – folgende Optionen:

  • ehrlich antworten
  • unwahr antworten
  • gar nicht antworten
  • mit Gegenfragen reagieren

Überlege Dir auf alle Fälle schon vor dem Vorstellungsgespräch, welche Fragen Dir Schwierigkeiten bereiten könnten. Finde wenn möglich einen Weg, ehrlich zu antworten, ohne verfängliche Details zu verraten oder auf Konfrontation zu gehen.

⇒ Übersicht aller Tipps und Anleitungen für Deine überzeugend ehrliche Bewerbung