Bewerbung als Quereinsteiger

Was sind die besonderen Herausforderungen von Quereinsteigern beim Bewerben?

Wie es die Definition vom Quereinstieg bereits sagt, geht es um den Wechsel des Tätigkeitsfeldes, und zwar in einen bisher fremden Bereich. Häufig fehlen daher einschlägige Berufserfahrungen und die typischen Qualifikationen wie Ausbildung oder Studium. Für viele Arbeitgeber ist deshalb die fachliche Eignung der Quereinsteiger schwerer zu beurteilen – und das führt häufig zur Ablehnung der Bewerbung.

Wiedereinsteiger und Berufsanfänger haben es ähnlich schwer

Sehr ähnlich geht es Berufsanfängern oder Wiedereinsteigern nach Elternzeit, Burnout oder anderer „Auszeit“. Auch wenn passende Berufserfahrung und Qualifikation vorzuweisen sind, ist es oft zu lange her, als dass sie für Personaler zählen.

Gründe für einen Quereinstieg

Quereinsteiger können für ihren beabsichtigten Berufswechsel sehr unterschiedliche Gründe haben:

  • Burnout
  • nachhaltig gesundheitliche Einschränkungen
  • Betreuung der eigenen Kinder
  • Pflege von Familienangehörigen
  • selbst gewählter Downshift

Dieser (Hinter-)Grund der beruflichen Veränderung ist Teil der Veränderungsmotivation – und für Personaler durchaus interessant. Wie Du damit in Deiner Bewerbung punkten kannst, siehst Du gleich.

Wie überzeugt die Bewerbung von Quereinsteigern und Co. dennoch?

Es bleiben im Wesentlichen drei Möglichkeiten, mit Deiner Bewerbung trotzdem (oder sogar gerade deswegen) in die engere Auswahl zu kommen:

  • berufsähnliche Erfahrungen ausweisen
  • die besondere persönliche Eignung darstellen
  • die Motivation für den Quereinstieg erläutern

Berufsähnliche Erfahrungen

Wenn Du als Quereinsteiger keine Berufserfahrung im engeren Sinne zu bieten hast, bist Du vielleicht in ähnlichen Kontexten tätig gewesen, z. B. in folgenden Bereichen:

  • Ehrenamt
  • Hobby
  • Praktikum

Du musst nicht unbedingt im genau gleichen Bereich tätig gewesen sein, auch Angrenzendes oder Ähnliches kann Dir Erfahrungen eingebracht haben, wodurch Du relevante Kompetenzen erworben hast. Das muss auch nicht in einem Zeugnis verbrieft sein. Schildere nachvollziehbar anhand von beispielhaften Situationen, was Du wie gemacht hast und erläutere den Bezug zu Deinen neuen Aufgaben.

Beispielweise kann die Arbeit als Vereinsvorstand Erfahrungen im Rechnungswesen, der Öffentlichkeitsarbeit oder der Teamführung mit sich bringen. Oder das Praktikum in einem Produktionsbetrieb hat Dir Einblicke in Prozesse und Strukturen gegeben, die in Deinem neuen Arbeitsfeld ähnlich vorkommen. Vielleicht hast Du sogar im Ehrenamt ein besonders hohes Engagement gezeigt und nun möchtest Du etwas Ähnliches „professionell“ (und gegen Bezahlung) machen.

Besondere persönliche Eignung

Diese ist grundsätzlich ein wichtiger Aspekt bei der erfolgreichen Stellenbesetzung. Bei Quereinsteigern kann sie sogar die fehlende fachliche Eignung komplett ausgleichen. Ein Beispiel: Ein Verkäufer hat eine erfolgreiche Ausbildung vorzuweisen. Er ist jedoch kein „Verkäufertyp“, geht nicht gerne offen auf Menschen zu, arbeitet lieber mit Daten und Fakten und kann sich nicht so gut auf andere Menschen und deren Bedürfnisse einstellen. Dieser Verkäufer hat formal die richtige fachliche Eignung. Ist er deshalb ein guter Verkäufer?

Anders herum bringt der „geborene Verkäufer“ vielleicht keine typische Ausbildung mit, dafür aber die für den erfolgreichen Abschluss notwendigen persönlichen Eigenschaften (= Stärken) mit. Hierfür kann er dann auch Beispiele aus seinem Alltag bzw. privaten Bereich anführen.

Motivation für den Quereinstieg

Auch die Motivation eines Bewerbers ist für Personaler grundlegend wichtig und sollte daher in jeder Bewerbung enthalten sein. Für Quereinsteiger liegt hierin ein enormes Potenzial – und für Arbeitgeber ebenfalls.

Es ist seit Langem bekannt, dass (eigen)motivierte Mitarbeiter die produktiveren, loyaleren und erfolgreicheren Mitarbeiter sind als jene, die in ihrer Arbeit weder Sinn noch Freude sehen und nur noch wegen dem Geld ihren Job tun.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Motivationsrichtungen: die Ziel zu-gewandte und die Ziel ab-gewandte Motivation. Letztere ist meist mit einem äußeren Reiz verbunden, den wir vermeiden versuchen – ansonsten leiden wir. Wir bewegen uns also von dem Reiz weg. Unsere Bewegung ist allerdings nicht zielgerichtet, sondern geht irgend wohin, Hauptsache weg vom Leid. Die Ziel ab-gewandte Motivation ist häufig der „Stein des Anstoßes“, der Anlass, überhaupt in Bewegung zu kommen.

Die Ziel zugewandte Motivation ist, wie der Name schon sagt, auf unser Ziel ausgerichtet. Wir haben einen Antrieb in eine bestimmte Richtung, wir wissen, wohin wir wollen. Und diese Motivation ist meist die nachhaltigere. Sie lässt uns eine bestimmte Sache verfolgen, dran bleiben, dazulernen und weiter entwickeln. Daher ist es die für Deine Bewerbung relevante. Eine hohe zielgerichtete Motivation sorgt quasi automatisch dafür, dass Du Dir für Deine neue Tätigkeit notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten aneignest.

Beschreibe also Deine Motivation für Dein neues Aufgabengebiet. Warum möchtest Du das neue Aufgabengebiet haben? Wie ist die Idee dafür gewachsen? Weshalb glaubst Du, dass die Tätigkeit Dich mit Sinn und Freude erfüllen wird?

Die Kombination entscheidet

Ich gehe davon aus, dass Du für Deinen Quereinstieg sowohl eine entsprechende Motivation als auch persönliche Stärken mitbringst – noch besser auch berufsähnliche Erfahrungen. Nutze möglichst alle drei Möglichkeiten, Deine persönliche Eignung darzustellen. Deine Chancen für eine Einladung steigen auf jeden Fall!

 

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