Würdest Du Dich selbst einladen?

Wenn Du Arbeitgeber wärst, würdest Du Dich mit Deiner Bewerbung zum Vorstellungsgespräch einladen? Wenn Du diese Frage ohne zu Zögern mit Ja beantwortest, kannst Du die nächsten neun Absätze überspringen. Falls Du noch zögerst, lies einfach weiter.

Wenn Du Dich bewirbst, dann willst Du einen neuen Job. Und natürlich brauchst Du Geld zum Leben. Vielleicht ist es Dir sogar ein dringendes Bedürfnis, überhaupt wieder in Arbeit zu kommen. Und dann ist da noch die Arbeitsagentur, die häufig eine bestimmte Anzahl Bewerbungen pro Woche von Dir fordert (also eher Masse statt Klasse). Da kommt dann früher oder später Druck auf, der sich mit jeder weiteren Absage auch noch verstärkt.

Dass sich da Frustration oder sogar Wut breit machen, ist nur allzu verständlich. Doch leidet die Qualität der Bewerbung auch darunter. Die Bewerbungen sind dann nicht mehr frisch, nicht mehr so individuell. Sie werden vielmehr zahlreich und standardisiert geschrieben. Eventuell in der letzten Hoffnung, dass es irgendwann irgendwo doch einmal klappen muss mit dem neuen Job. Schrotflinten-Prinzip? Oder ganz nach dem Motto: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn?

Bewerber erreichen mit dieser Strategie (die eigentlich keine ist) genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollen. Statt der Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten sie Absagen. Und womöglich bleiben die Türen der Personaler bei den angeschriebenen Unternehmen für eine ganze Weile verschlossen. Denn ein zweiter Versuch wird meist nicht gewährt. Und damit ist der Weg verbaut.

Was der Personaler aus solchen Bewerbungen von der Stange herausliest, ist, dass sie von der Stange sind. Sie könnten nämlich, so wie sie sind, genauso gut an ein beliebiges anderes Unternehmen adressiert sein – und sind es wahrscheinlich auch. Solche zahlreich verteilten Bewerbungen geben allgemein gültige Aussagen sowohl zum Unternehmen als auch zum Bewerber wieder. Nichts Persönliches (zumindest nicht glaubwürdig) ist zu lesen.

Wie motiviert wirkt jemand, der schon in seiner Bewerbung nur das Allernötigste gibt? Wie soll ich etwas über den Bewerber erfahren, wenn er von sich nichts preisgibt? Wie passend ist ein Arbeitnehmer für bestimmte Aufgaben, wenn er sich selbst keine ausreichenden Gedanken dazu gemacht hat oder dies nicht in der Bewerbung darstellt? Wie soll sich ein Personaler da zu einer Einladung durchringen?

Auch wenn es in Zeiten des inneren oder äußeren Drucks schwer fällt, versuch Dich in die Lage der Personaler zu versetzen. Stell Dir vor, Du hast darüber zu entscheiden, wer eingestellt wird. Du trägst die Verantwortung, die richtige Mitarbeiterin einzustellen. Wenn sich später herausstellt, dass Du die falsche Person engagiert hast, musst Du Deine Entscheidung womöglich gegenüber Deinem Vorgesetzten rechtfertigen. Wenn Du selbst das Geschäft führst, hast Du die Kosten der Fehleinstellung zu tragen. Dann musst Du Dich nicht nur von einer Mitarbeiterin trennen, sondern Dich auch gleich wieder um eine neue bemühen. Und Du hast die Wogen im Team zu glätten, die durch den Mitarbeiter-Wechsel entstehen (Einlernen, Veränderung, Überstunden etc.). Jede Menge Ärger also – unnötigen Ärger.

Diesen möchten sich Personaler verständlicherweise ersparen. Sie möchten sich sicher sein bei der Einstellung einer neuen Mitarbeiterin. Sie möchten für ihr Unternehmen die passendste Bewerberin auswählen. Mehr noch, sie müssen sogar die bestmögliche Entscheidung treffen. Schließlich müssen sie es ja wissen… Auf den Personalentscheidern lastet also ebenfalls ein enormer Druck. Da habt Ihr was gemeinsam.

Nun denkst Du vielleicht: Was geht das mich an, wenn sich die Person für den Beruf des Personalentscheiders entschieden hat? Ich habe meine eigenen Probleme. Schließlich will ich einen neuen Job!

Genau! Da haben wir’s: Du willst etwas – eine neue Anstellung. Deshalb bewirbst Du Dich. Wenn Du etwas willst, liegt es an Dir, Dein Gegenüber zu überzeugen. Von Dir, von Deiner Person, von Deinen Kenntnissen und Fähigkeiten. Davon, dass Du die (einzig) richtige Mitarbeiterin für das genannte Aufgabenfeld bist. Davon, dass Dein Arbeitgeber von Deiner Einstellung einen bestimmten Vorteil hat. Kurz, überzeuge ihn davon, dass Ihr beide das gleiche wollte. Dass Deine Einstellung eine so genannte Win-Win-Situation ist, Ihr also beide etwas davon habt.

Erwarte nicht, dass Arbeitgeber ihren Nutzen selbst aus Deiner Bewerbung zwischen den Zeilen herauslesen. Sie können oder wollen es schlicht nicht. Sie sind oft überfordert mit der Vielzahl von Bewerbungen, die ihnen ins Haus flattern. Mit der Sichtung, Vorauswahl, Verwaltung und Beantwortung. Baue also eine Brücke von Dir zu Deinem Wunsch-Arbeitgeber. Zeige ihm auf, was Euch verbindet. Erläutere ihm seine Vorteile im Fall Deiner Einstellung.

Wenn Du bei Deinem neuen Arbeitgeber landen willst, stelle Dir die Frage: Weshalb würdest Du Dich einstellen? Und so kritisch, wie Du vielleicht manchmal Dir selbst gegenüber bist, so kritisch darfst Du nun erst recht sein. Sei die kritisch-hinterfragende Personalerin. Und frage Dich selbst: Weshalb würde ich mich (für die Aufgaben XY) einstellen?

Wenn Dir dieser Perpektivwechsel – wie vielen anderen auch – schwer fällt, habe ich etwas für Dich:

Schon am 31.01.2015, 9:30 – 13:00 Uhr, starte ich den Workshop „Selbst-Bewusst ins Vorstellungsgespräch“. Wie der Titel schon sagt, machen wir Dich fit für anstehende Vorstellungsgespräche. Leicht und spielerisch erfährst Du, worauf es dem Arbeitgeber wirklich ankommt. Was er mit den so seltsamen Fragen eigentlich wissen will. Du hast hier die Gelegenheit, die „andere Seite“ kennen zu lernen, ohne etwas zu verlieren. Im Gegenteil – Du kannst nur gewinnen. Du erhältst Wissen, mit dem Du Dich besser auf den Arbeitgeber einstellen kannst. Damit kannst Du sein Vertrauen gewinnen. Und Du bist fast am Ziel.

Dieser Workshop ist besonders geeignet für alle, die ihr Selbstbewusstsein stärken möchten. Für alle, die selbstbewusst auftreten möchten, und zwar auf ehrliche, natürliche, sympathische Art und Weise. Selbstbewusstsein entwickelt sich aus sich selbst bewusst sein. Wenn Du Dich selbst also ein wenig besser kennen lernen möchtest und Dir ein stärkeres Selbstbewusstsein nicht schadet, dann melde Dich gleich für den Workshop an. Er wird im kleinen Kreis von maximal 8 TeilnehmerInnen stattfinden.

Melde Dich gleich an per Email!

Wie denkst Du darüber? Würdest Du Dich selbst einstellen?

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Christian

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