Was willst Du wirklich?

In letzter Zeit kommt mir ein Thema immer wieder unter, als Coach und auch im privaten Leben: Was will ich eigentlich? Was will ich wirklich?

Wenn ich im Coaching diese Frage stelle, ist die erste Reaktion häufig Verwunderung. Verwunderung, weshalb das im Rahmen von Bewerbungen überhaupt eine Rolle spielt. Es scheint viel üblicher und gewohnter, Antworten auf die Frage zu geben:

Was wird von mir erwartet?

Es scheint so, als ob es wichtiger sei, äußeren Ansprüchen zu genügen, als meinen eigenen Wünschen und Vorstellungen zu folgen. Kennst Du das auch? Stellst Du Deine eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zurück? Hast Du das Gefühl, Du lebst nicht Dein eigenes Leben, sondern das der anderen?

Letzte Woche war ich auf Heldenreise. Bei diesem sehr intensiven Selbsterfahrungsseminar wurde mir klar, dass der Konflikt weniger zwischen Deinen Wünschen und der Außenwelt besteht, als vielmehr in Dir selbst. Vermeintlich äußere Ansprüche bestehen häufig als Erwartungshaltung in uns selbst. Etwas zu tun oder zu unterlassen, etwas zu haben, zu sein oder nicht zu sein.

Von Kind an haben wir gelernt, was recht ist und was falsch. Wir haben gelernt, wie wir sein müssen, damit wir geliebt und anerkannt werden. Das ist an sich eine tolle Sache. Werden wir damit doch unserer Umwelt weitestgehend gerecht, so dass wir die gewünschte Anerkennung erhalten. Doch wie sieht es mit der eigenen Anerkennung aus? Welchen Wert messen wir uns selbst bei, wenn wir Ansprüche anderer bedienen?

Der Konflikt in Dir

Auf meine Heldenreise habe ich mich begeben, weil ich in mir einen Konflikt spürte. Es fühlte sich an, als ob ich mit angezogener Handbremse durchs Leben fahre. Ich verspürte große Kraft in mir, doch brachte ich sie nicht voll auf die Straße. Bei der Heldenreise geht es unter anderem um zwei Anteile Deiner Persönlichkeit, die für unterschiedliche Qualitäten stehen: Dein Held will hinaus in die große Welt, will sich entfalten, selbstverwirklichen. Dein Dämon sucht Schutz, Sicherheit, innere und äußere. Daher begrenzt er den Spielraum Deines Helden.

Nachdem ich diese beiden Teile meines Selbst identifiziert hatte, ihren Charakter, ihr Auftreten und ihre Absichten erkannte, konnte ich den inneren Konflikt beilegen und fühle mich seitdem kraftvoller als je zuvor. Was mich jedoch verblüffte: Die Begrenzungen, die ich bisher als von außen gegeben wahrgenommen hatte, hatte mir mein innerer Dämon, also ich mir selbst auferlegt.

Viele Einschränkungen hatte ich über Jahre erduldet, ohne dass dies tatsächlich von meiner Umwelt gefordert wurde. Ich selbst hatte mich eingeschränkt in dem Glauben, dies zu müssen. Damit ich Anerkennung und Wertschätzung erfahre. Kaum lockerte ich meinen inneren Würgegriff ein wenig, bekam ich leichteren Kontakt zu meinem Helden in mir. Ich bekam Zugang zu seinen Wünschen und Träumen, seinen Vorstellungen und Ideen. Und damit zu einem kraftvollen Teil von mir, meinem Motor.

Motivation – die Kraft hinter Deinen Bedürfnissen

Denn hinter meinen tiefsten Bedürfnissen verbirgt sich eine ungeheure Kraft. Sie ist der Motor, der Antrieb meines Lebens. Sie bringt mich in Bewegung, lässt mich Ziele anvisieren und voranschreiten. Sie bringt buchstäblich Bewegung in mein Leben. Sie gibt mir Kraft für Veränderung und Weiterentwicklung. Und das fühlt sich – für mich – einfach gradios an!

Was hat das alles mit Deinen Bewerbungen zu tun? Vielleicht hast Du es von mir gelesen oder von anderen vernommen: Deine Motivation für einen bestimmten Beruf, einen Aufgabenbereich oder auch eine konkrete Stelle ist wichtig für eine überzeugende Bewerbung. Denn eigenmotivierte Mitarbeiter zu haben, ist für Arbeitgeber von unschätzbarem Wert. Motivierte Mitarbeiter arbeiten schneller, länger, besser, sie leisten mehr. Sie sind gewillt und bereit, benötigtes Wissen anzueigenen und ihre Fähigkeiten zu erweitern, sich passen sich leichter dem Umfeld an und halten auch in schwierigen Zeiten zu ihrem Arbeitgeber. Welch eine vorzügliche, wertvolle Mitarbeiterin!

Wie überzeugst Du nun ehrlich mit Deiner Motivation in Deiner Bewerbung? Indem Du wirklich motiviert bist! Mit halblebigem Antrieb für Deine Wunsch-Stelle oder Deinen Wunsch-Arbeitgeber wirst Du nicht überzeugend ehrlich wirken. Es wird etwas Elementares fehlen. Also geht es darum, Deine wahre Motivation, Deinen Antriebskern, zu entdecken.

Mit dieser Übung kommst Du an Deine tieferen Bedürfnisse

Um Deinen wahren Wünschen und Bedürfnissen näher zu kommen, kannst Du mit einer Übung beginnen, die ich auch im Coaching einsetze. Sie klingt zunächst recht einfach, hat es aber in sich ;) Nehme Dir ein leeres Blatt Papier und schreibe oben auf das Blatt: Meine 20 Lieblingstätigkeiten. Vielleicht denkst Du jetzt, das sei doch eine leichte Übung. Schön, wenn es Dir leicht von der Hand geht. Notiere Deine Lieblingstätigkeiten in Verbform, also als Tätigkeitswort, untereinander, so dass dahinter noch ein wenig Platz für weitere Notizen ist.

Wenn Du nicht gleich auf 20 kommst, nimm Dir ausreichend Zeit. Wenn Dir mehr als 20 einfallen, gut, schreibe alle auf. Der Platz, den Du rechts neben den Verben gelassen hast, ist nun für den zweiten Teil der Übung: Weshalb macht Dir die jeweilige Aktivität Freude? Was daran erfüllt Dich? Welche Qualität steckt in diesem Tun? Nimm Dir auch dafür ausreichend Zeit und ergänze durchaus auch im Nachhinein noch Deine Gedanken und Vermutungen.

Der dritte Schritt: Schau Dir die Qualitäten auf der rechten Seite an und entdecke Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten. Was kommt häufiger vor? Was lebst Du bei verschiedenen Deiner Lieblingstätigkeiten aus?

Und damit bist Du Deiner persönlichen, inneren Motivation ein großes Stück nähergekommen. Und auch Deinem Traum-Job. Prüfe, welche Qualitäten Du auf Dein Arbeitsleben übertragen kannst oder möchtest. Was willst Du in Deiner Arbeit ausdrücken? Was brauchst Du, damit Du motiviert zur Arbeit gehst? Wenn Du nicht alle Qualitäten im Beruflichen unterbringen kannst (manche wollen es auch gar nicht), spüre in Dich hinein, was Du mindestens brauchst, damit sich Deine Arbeit gut anfühlt und Du motiviert bei der Sache bist.

Was motiviert Dich?

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