Tote Pferde reiten

Schluss, aus, vorbei! Zum 30.07.2017 habe ich mein Coworking-Ravensburg-Projekt nach zwei Jahren wieder beendet. Schade, höre ich dazu von meinem Umfeld. Habe ich vor einer Weile auch gedacht. Doch jetzt sage ich: Tja, so ist das eben. Ideen, Menschen, Projekte, Umsätze und Erfolge kommen – und gehen. Und von den Dakota-Indianern soll der wahrhaft kluge Spruch sein: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.

Dass ich jetzt so einfach Abschied nehmen kann von meinem einstigen, mit höchster Motivation und größtem persönlichen Einsatz angegangenen Projekt-Baby, war keineswegs so einfach, wie es jetzt klingen mag. Vielmehr brauchte ich die letzten 12 Monate dafür. Stück für Stück dachte ich darüber nach und realisierte, dass das Projekt nicht wirklich zu meinem Lebensentwurf passte. Und das, was ich mir ursprünglich erträumt hatte, konnte ich mit diesem Projekt nicht verwirklichen.

In meiner Arbeit begegnen mir viele Menschen, die nach eigenen Angaben – oder auch ganz offensichtlich – leiden. Sie sind mit ihrer (beruflichen) Situation unzufrieden. Und doch wollen sie sich (noch) nicht verändern. Irgendwas hält sie scheinbar im ungeliebten Umfeld gefangen. Manchmal sind es auch Menschen, die sie zurückhalten. Abschied nehmen, eine Tür zuschlagen, sich gegen etwas entscheiden, das fällt wohl den meisten von uns ziemlich schwer. So auch die Kündigung des eigenen Jobs.

Doch ohne Abschied gibt es keinen Neubeginn. Und der liegt uns wohl nicht besonders. Müssen wir uns doch neu zurechtfinden, eventuell anpassen und lernen, um neue Wurzeln schlagen zu können. Das kostet Kraft und vor allem Mut. Ja, wir riskieren einen Schritt ins unbekannte Land.

Doch genau dieser erste Schritt ist wichtig, denn: Eine Reise von tausend Meilen beginnt unter Deinem Fuß (Laotse). Es gilt loszugehen, den ersten Schritt zu tun. Und ganz so ungewiss ist unsere Zukunft nicht. Wenn wir unsere Reise ein wenig planen, vorausdenken und uns in das Neue „hineinfühlen“, erhöhen wir die Chance, das wir dorthin kommen, wo wir (lieber) sein möchten. Seltsam nur, dass wir bei Verabschiedungen oder ähnlichen Entscheidungen viel häufiger durch eine graue Brille nach vorne schauen.

Und wie kam ich zu meiner Entscheidung, mein Coworking-Projekt zu beenden? Ehrlich gesagt, wie die meisten, die ich kenne, auch – durch eine gehörige Portion Leid. Wieder einmal durfte ich Grenzerfahrungen machen, die mich zum Nachdenken und In-mich-hineinspüren brachten, ob ich auf dem richtigen – meinem – Weg bin. Ob ich mir selbst, meiner Familie und dem Rest der Welt wirklich zuträglich bin, wenn ich den eingeschlagenen Weg weitergehe.

Da ich solch eindrückliche Erfahrung nicht zum ersten Mal mache, die meinem Leben eine entscheidende Wende gibt, schreibe ich darüber – und teile sie mit Dir. Vielleicht steht für Dich auch eine Entscheidung an?

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