Schöne neue Arbeitswelt

Am Wochenende war ich auf der Cowork2015, einer offenen Konferenz für CoWorking-Space-Betreiber, CoWorker und alle, die sonst noch Berührungspunkte dazu haben. Mein Interesse rührt vor allem daher, dass ich aktuell CoWorking Ravensburg gründe. Die Stimmung war klasse, kamen doch gut 60 gleichgesinnte Menschen zusammen: Anschieber, Macher, Gründer. Lauter proaktive Leute, die die Welt ein Stückchen besser verlassen möchten, als sie sie vorgefunden haben. Und durch die Vorträge von Klaus-Peter Stiefel und Dr. Nico Rose habe ich auch einiges über die Arbeitswelt von morgen erfahren.

Das Kunstwort VUCA fasst den Trend kurz zusammen:

Volatil (veränderlich)

Alles ändert sich, immer schneller. Die Anforderung, flexibel zu sein, steigt genauso wie unsere eigenen Erwartungen – auch uns selbst gegenüber. Häufigerer Jobwechsel, stetige Bildung, Quereinstieg und laterale Karriere sind Folgen, um nur ein paar zu nennen.

Uncertain (unsicher)

Hohe Veränderlichkeit verursacht Unsicherheit. Wir können weniger oder gar nicht mehr planen. Oder wenn wir es tun, müssen wir mit einer Abweichung von Realität und Plan rechnen.

Complex (komplex)

Mehr Informationen, mehr Möglichkeiten, mehr Entscheidungen. Im digitalen Zeitalter von Information und Technik ist fast alles miteinander vernetzt. Ursache und Wirkung ist nur noch selten linear oder eindeutig zuzuordnen. Menschen, Prozesse und Systeme beeinflussen sich gegenseitig und in oft nicht überschaubarer Art und Weise.

Ambiguous (vieldeutig)

Die Dinge sind immer seltener so, wie sie scheinen. Wir nehmen oft nur einen kleinen Ausschnitt wahr. Doch lässt unsere Perpektive keine direkten Schlüsse zu. Tun wir dies dennoch, liegen wir sehr wahrscheinlich daneben. Wir sind auf andere Perpektiven angewiesen, um ein umfassenderes, realistischeres Bild zu bekommen.

Und noch ein paar andere Begriffe habe ich auf der Konferenz vernommen:

Remote Working

Arbeiten außerhalb der Firma, von daheim, auch Home-Office genannt, wird immer verbreiteter. Menschen wollen nicht wegen jedem Jobwechsel umziehen. Die Welt des Internet macht es für viele Berufe möglich, von fast überall auf der Welt zu arbeiten.

Hybride Arbeitsmodelle

Nicht eine Anstellung allein füllt Kalender und Geldbeutel, sondern Haupt- und Nebenjob oder die Teil-Selbständigkeit zusammen.

Motivation vor Qualifikation

Der Fachkräftemangel bringt es mit sich. Die fachliche Qualifikation ist nicht mehr vorrangig entscheidend für eine Anstellung. Dafür bringt aber eine hohe Eigenmotivation die Möglichkeit mit sich, sich nahezu alles anzueignen.

Interdisziplinarität

Das Team von morgen setzt sich aus Menschen verschiedener Disziplinen zusammen. Diese schaffen mit ihren unterschiedlichen Blickwinkeln neue Lösungsansätze für komplexe Probleme.

Werte der neuen Arbeitswelt

Die Mitarbeiterschaft von morgen – oder schon heute – sucht Wertschätzung ihrer Person und Leistung – in erster Linie durch ihr menschliches Umfeld, weniger in Form von Bezahlung. Sie sucht Verbundenheit, sowohl mit Menschen in ihrer Arbeitsumgebung als auch mit dem Produkt ihres Schaffens. Eine Beziehung ist mehr als erwünscht. Beziehung schafft Motivation. Die neue Belegschaft will Selbstwirksamkeit erfahren, wissen dass und was sie bewirkt. Sie will Autonomie, sie will selbst entscheiden, was sie wie macht. Und sie will wissen, warum sie tut, was sie tut. Es geht also auch um Sinnhaftigkeit.

Fazit

Die neue Arbeitswelt fordert uns einiges ab, vor allem Veränderungsbereitschaft. „Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ (Heraklit) Wenn wir bereit sind, das zu akzeptieren und Verantwortung zu übernehmen, haben wir auch die Zügel in der Hand. Das mag sich anfangs ungewohnt anfühlen und erfordert sicher etwas Übung. Doch dann steuern wir, wohin es geht. Die neue Arbeitswelt wird maßgeblich durch uns mitgestaltet.

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