Knigge für Bewerbungsanschreiben

Dass ich zum Verfassen von Bewerbungsanschreiben eine nicht ganz alltägliche Meinung habe, ist mir bekannt. Hin und wieder konnte ich jedoch Bestätigung finden in Artikeln anderer Bewerbungsspezialisten und auch im Gespräch mit Personalverantwortlichen. Nun aber wartet auch der Kenner der guten Sitten – Knigge – mit einem Statement für die Ehrlichkeit auf.

Rainer Wälde, niemand geringeres als dem Vorsitzenden des Deutschen Knigge-Rates, bezieht in einem Vortrag in unserer Region Stellung zu modernen Umgangsformen im Business. Da ist die Verbindung zu Bewerbungen doch nicht weit, wie ich finde.

Floskeln, wie sie vor Jahren noch im Schriftverkehr gebraucht wurden, sind bei Bewerbungsschreiben out,

heben sie Dich von der Masse doch nicht ab. Und auch Knigge sagt, dass Höflichkeiten im Geschäftsleben als reine Floskel unnötig sind. Es ginge vielmehr um Authentizität, darum, das nach außen zu zeigen, was in Dir ist.

Als wenn das so einfach wäre. Vielen Bewerbern fällt es immer noch leichter, floskelhafte Formulierungen zu verwenden als ihre eigene Sprache zu verwenden und wahrhafte Aussagen über sich zu machen. Das setzt natürlich die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorstellungen und seinem Wesen voraus. Wenn Du das möchtest, lies doch mal in diese Artikel von mir rein:

Nicht das der Eindruck bleibt, Höflichkeit allgemein sei von gestern. Selbstverständlich ist es angebracht, einer Person mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen – aber mit einer wahren inneren Haltung.

Interessant finde ich noch den – zumindest für mich neuen – Social-Media-Knigge. Da wird z. B. empfohlen:

  • Überprüfen Sie Ihre Zielgruppe.
  • Treten Sie authentisch auf.
  • Nerven Sie Ihre Mitmenschen nicht, keine Überhäufung mit Werbebotschaften.
  • Agieren Sie mit Bedacht.

Zumindest diese Auswahl lässt sich eins zu eins auf Bewerbungen übertragen. Bewirb Dich nicht bei irgendeinem Arbeitgeber, den Du nicht kennst der nicht zu Dir passt oder den Du nicht magst. Verstelle Dich nicht, sondern stell Dich als die Person vor, die Du wirklich bist, mit dem, was Du zu bieten hast. Und bitte keine „Spam-Bewerbungen“, keine Bewerbung sollte inhaltlich mit einer anderen identisch sein. Und sei bewusst, bei dem, was Du schreibst, zeigst und sagst. Versetze Dich in die Welt Deines vielleicht zukünftigen Arbeitgebers. Wie könnte bei ihm ankommen, was Du von Dir gibst? Was interessiert ihn? Was könnte ihn überzeugen?

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