Gehaltsvorstellung

Ob, wann und wie gibt man bei Bewerbungen die Gehaltsvorstellung an?

Wenn eine Gehaltsvorstellung in einem Stellenangebot gefragt wird, empfehle ich, eine Gehaltsvorstellung anzugeben – als Zahl. Sie ist der Preis Deiner Arbeitskraft. Und wenn dieser trotz Aufforderung nicht genannt wird, könnte Deine Bewerbung gerade wegen der fehlenden Angabe in den Papierkorb wandern. Weshalb? Stell Dir vor, Du holst Dir Angebote, sagen wir, für ein Abo in einem Fitnessstudio ein. Möchtest Du auch den jeweiligen Preis erfahren oder interessieren Dich nur die übrigen Konditionen und Leistungen? Es muss schon ein verdammt gutes Leistungsangebot sein, das perfekt zu Deinen Vorstellungen passt, dass Du bei einer fehlenden Preisangabe zum Telefonhörer greifst und Dir die fehlenden Informationen einholst, oder? Sehr wahrscheinlich wirst Du in Deine Überlegungen nämlich auch das Preis-Leistungs-Verhältnis mit einbeziehen. Überzeugt Dich ein Angebot qualitativ nicht und ist der Preis nicht genannt, was machst Du dann? Wahrscheinlich hat dieser Anbieter bei Dir verloren (bevor er Dich überhaupt gewinnen konnte).

Und was gibst Du nun an, wenn Deine Gehaltsvorstellung gefragt ist? Die einfache Antwort: das, was Du verdienen möchtest – grundsätzlich in Form einer Zahl. Aber der Preis Deiner Arbeit kann sich auch in weiteren Konditionen ausdrücken: erfolgsabhängige Bestandteile, Essens- oder Reisezuschüsse, Altersvorsorge, flexible Arbeitsbedingungen etc. Vielleicht ist der Knackpunkt auch für Dich der, wie viel Jahresbrutto Du nennen sollst? Schließlich möchtest Du nicht zu teuer sein. Du möchtest Dich aber auch nicht unter Wert verkaufen.

Versuche erneut, Deine Perspektive zu wechseln, z. B. in die eines Konsumenten. Was beeinflusst Deine Empfindung, ob ein Preis zu niedrig, zu hoch oder angemessen ist? Ja, er kann auch zu niedrig sein. So niedrig, dass Du denkst: An der Sache ist doch ein Haken… Du wirst wahrscheinlich ähnliche Produkte vergleichen, auch den Preis. Damit bekommst Du eine Vorstellung, welche Preisspanne es gibt. Ein günstiges Produkt kann ein Schnäppchen sein oder mit Qualitätseinbußen verbunden sein (= billig). Ein relativ teures Produkt kann (muss aber auch nicht) eine hervorragende Qualität bieten – und gleichzeitig Dein Budget sprengen. Für welches Angebot entscheidest Du Dich? Tja, und so wie jeder Konsument unterschiedliche Prioritäten hat, so haben auch Personaler unterschiedliche Vorgaben und Gedanken bei der Auswahl geeigneter Bewerber.

Versuche möglichst viel über die Entscheidungsstrategien Deines gewünschten Arbeitgebers herauszufinden. Welche Prioritäten hat er, welche Budgets. Über Gehaltsvergleichsrechner im Internet bekommst Du außerdem Eckpunkte Deiner möglichen Preisspanne.

Wie ich vorher bereits erwähnte, gibt es auch das Risiko einer zu niedrigen Preisangabe. Nicht nur, dass Du Deinem Arbeitgeber eine unerwartete Freude machst, indem Du günstiger bist als erwartet. Mit Deiner zu geringen Gehaltsvorstellung kannst Du bei Personalern auch eine unerwünschte Skepsis hervorrufen. Sie lässt Fragen aufkommen wie: Hat der Bewerber bisher so wenig verdient? Ist seine Arbeit so wenig Wert? Oder ist sich der Bewerber selbst so wenig Wert? In meinen Coachings stelle ich immer wieder fest, dass die Angabe des eigenen Arbeitswertes viel mit der Kenntnis und dem Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten zu tun hat. In Positionen, in denen Reflexionsvermögen, Selbstbewusstsein oder Überzeugungskraft gefragt sind, kann Dich eine zu niedrige Gehaltsvorstellung in Abseits befördern.

Wenn Du nun möglichst viele Informationen zusammengetragen hast, Dir Deines Wertes bewusst bist und Deine Gehaltsvorstellung nennen sollst, gib Dein Jahresbrutto in glatten tausend Euro an. Z. B.: Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 36.000 Euro Jahresbrutto. Und wie kluge Verkäufer es auch machen, nennst Du den Preis erst am Ende, nachdem Du gute Argumente für den Kauf vorgebracht hast. Dann erst lässt sich ein Preis-Leistungsverhältnis ermitteln, das die Kaufentscheidung unterstützt – und Du zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird bzw. Dir ein Arbeitsvertrag angeboten wird. Und noch etwas möchte ich zu bedenken geben: Unternehmen haben in der Regel einen vielfach höheren wirtschaftlichen Nutzen von Deiner Arbeitskraft als sie Dir als Gehalt zahlen. Und was wäre das Unternehmen ohne Dich!?

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