Freies Honorar – Freiheit und Verantwortung zugleich

Vor einiger Zeit habe ich eine Umfrage unter meinen Blog-Lesern gemacht zum „Freien Honorar“. Hier nun die Ergebnisse von 35 Teilnehmern:

1. Kannst Du mit dem Begriff „freies Honorar“ etwas anfangen?

„Ja“ sagten 74 %
„Nein“ sagten 26 %

2. „Freies Honorar“ bedeutet, Du kannst für eine erhaltene Dienstleistung die Höhe des Honorars bzw. den Preis frei wählen. Findest Du die Bezahlform „freies Honorar“ persönlich für Dich eher ..?

„Geeignet“ sagten 44 %
„Ungeeignet“ sagten 56 %

3. Wie gefällt Dir dagegen die Angabe eines festen Preises für eine Dienstleistung?

„Weniger gut“ sagten 19 %
„Gut“ sagten 81 %

4. Angenommen, der Preis einer Dienstleistung ist mit „freies Honorar“ angegeben. Ist die Angabe eines Richtwerts für Dich eher ..?

„Weniger hilfreich“ sagten 23 %
„Hilfeich“ sagten 77 %

5. Sofern als Preis einer Dienstleistung „freies Honorar“ mit einem Richtwert angegeben ist, gibst Du eher ..?

„Weniger sagten“ 9 %
„Genau den Richtwert“ sagten 41 %
„Mehr“sagten 50 %

Freiheit ist nicht unbedingt einfach

Die Antworten zu Fragen 2. und 3. zeigen recht deutlich, dass die Mehrheit der Teilnehmer einen festen Preis für eine Dienstleistung bevorzugen. Das Ergebnis hat mich in seiner Klarheit überrascht. Ebenfalls überrscht hat mich, dass bei einem freien Honorar mit Angabe eines Richtwertes 91 % der Teilnehmer den Richtwert oder mehr geben würden (sofern die Leistung persönlich als nützlich empfunden wurde).

Wie ich auch aus den Anmerkungen der Teilnehmer schließen kann, ist die Bestimmung eines „freien Honorars“ gar nicht so frei und gar nicht so einfach. Sie stellt den Dienstleistungsempfänger in eine besondere Verantwortung und konfrontiert ihn mit Fragen wie:

  • Was bin ich bereit und fähig zu bezahlen?
  • Wie viel ist angemessen?
  • Wie passt die Leistungserfüllung zu meinen Erwartungen?

Zugegeben, damit will sich nicht jeder beschäftigen (müssen) und zieht daher einen festen Preis vor. Damit liegt die Verantwortung der Preisfestsetzung allein beim Anbieter und Dienstleistungsgeber. Ziemlich einfach für den Zahlenden – sofern er den Preis zahlen kann und will. Sind die Voraussetzungen dafür allerdings nicht gegeben, gewinnt das Modell des „freien Honorars“ wieder an Attraktivität, eröffnet es doch die Möglichkeit, auch mit wenig oder gar keinem Geld die Dienstleistung zu erhalten.

Wie hoch ist der „richtige“ Preis?

Die Umfrage-Ergebnisse rufen mich auf, feste Preise für meine Dienste zu kommunizieren. Doch nun stellt sich mir (wieder und wieder) die Frage, wie hoch ist der richtige Preis? Wie soll ich ihn festlegen? Welche Faktoren soll ich berücksichtigen?

In der freien Wirtschaft gibt es da grundsätzlich zwei Wege:

  1. Ich nähere mich dem Preis über meine Aufwendungen, die ich einsetze, um meine Dienstleistung zu erbringen. Das wären Kosten meiner Ausbildung und Qualifizierung, Raum- und Raumnebenkosten, materielle Ausstattung, Fahrtkosten usw. Was aber ist mit meiner Lebenszeit, die ich einsetze für Vor- und Nachbereitung, administrative Tätigkeiten, die Zeit, die ich in Verkehrsmitteln zu Terminen verbringe, schlaflose Nächte, in denen meine Gedanken bei meinen Klienten sind oder die vielen Erfahrungen, die ich gewinnen durfte und bei meinen Diensten miteinbringe? Wie setze ich diese an? Und selbst wenn ich einen rechnerischen Ansatz finden würde, welcher Klient ist bereit, diese Bestandteile meiner Aufwendungen zu bezahlen? Und wie viel Lebenshaltungskosten darf ich mit einrechnen? Welchen Lebensstil empfinden meine Klienten als angemessen?
  2. Ich kann mich bei der Preisfestlegung auch am Nutzen meiner Dienstleistung für meine Klienten orientieren. Dann stelle ich mir Fragen wie: Wie viel mehr verdienen meine Klienten wohl nach meinem BewerberCoaching? Wie viel zufriedener sind meine Klienten durch meine Dienste? Und was ist Zufriedenheit, Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung wert? Und ist die Vergabe eines Rabattes angemessen, wenn sich der Preis doch am Nutzen der Klienten misst?

Es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Und wenn nicht ich einen Preis festlege, macht sich der Dienstleistungsempfänger solche und ähnliche Fragen, um zu einem fairen, „frei bestimmbaren“ Honorar zu kommen. Das ist alles andere als leicht, wie ich an den Umfrage-Ergebnissen ablese. Es ist nicht nur eine Frage der Informationen, die ein Klient über mich und meine Aufwendungen hat, sondern es bleibt es „Gewissensfrage“.

Wie geht es mir nun mit den Ergebnissen?

Zunächst einmal sage ich DANKE an alle, die an meiner kleinen, aber entscheidenden Umfrage teilgenommen haben. Auch wenn ich weiter vor einem Dilemma stehe, habe ich einen Einblick in Eure Gedanken dazu erhalten, der mich angeregt hat, die Honorare meiner Dienstleistungen zu überprüfen.

Nach wie vor fällt es mir schwer, den „richtigen“ Preis zu finden, weil er subjektiv sehr unterschiedlich empfunden wird. Dem Preis meiner Dienstleistung liegt noch etwas anderes zugrunde, das sich zudem nicht in Geldeinheiten ausdrücken lässt: Wie viel Wert messe ich mir selbst (und meiner Zeit) bei?

Auf mein Angebot, Bewerbungsunterlagen kostenlos für Leser meines Blogs zu überprüfen und ein detailliertes Feedback zu geben, habe ich in den letzten Monaten zahlreiche Anfragen erhalten (manche sprachen auch von „Dienst in Anspruch nehmen“). Pro Bewerber habe ich mir zwischen 30 und 60 Minuten Zeit genommen, die Unterlagen durchgesehen und konstruktives Feedback per Email gegeben. Die häufigste Reaktion darauf war – keine! Nur von einer Minderheit kam überhaupt ein Danke. Von manchen wurde allerdings erwartet, dass ich ein zweites oder drittes Mal kostenlos die Unterlagen prüfe.

Nachdem sich mehr und mehr ein Unwohlsein darüber in mir breit machte, entschloss ich mich letzte Woche, dieses kostenlose Angebot von meiner Internetseite zu nehmen. Denn eines steht für mich fest: Wertschätzung, in welcher Form auch immer, möchte ich erfahren.

Und nun bin ich neugierig, was Du dazu meinst…

 

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ich finde das Ergebnis der Umfrage und die Idee der Umfrage selbst sehr gut, um einmal Faken zu sammeln und sich eine Orientierung zu verschaffen. Wenn ich mir das alles so durchlese und mich an meine Gedanken beim Beantworten Deiner Umfrage erinnere, fühle ich mich aber in ein Gedankenkarussell gesetzt, das sich zwar um richtige und wichtige Fragen dreht, aber nicht vom Fleck kommt.
    In solchen festgesetzten Situationen kommt mir glücklicherweise oft eine Frage in den SInn, die mein Gedankenkarussell anhält und mich wieder zum Wesentlichen lenkt. In diesem Fall würde ich diese Frage mal so formulieren: Christian, fühl doch einfach mal in Dich rein, was für einen Lebensstandard wünscht Du DIr? Was willst und brauchst du im Leben um glücklich zu sein? Und daraus mache einen Preis. Das ist das, was Du zum Leben idealerweise brauchst. Alles was du darüber verdienst, ist prinzipiell der Spielraum für Angebote für Menschen, die Du unterstützen willst.

    MIr kommt da grad die Idee einer begrenzten Warteliste, von der Du Interessenten einladen kannst, die weniger zahlen können oder wollen, sobald Dein nötiges Monats- oder Quartalsziel durch die normalen Preise erreicht ist. Sowas wie die letzte halbe Stunde bei der Hofpfisterei. Das scheint ja gut zu funktionieren.

    Vielleicht ist auch Bedarf für unterschiedliche Termine (zeitlich/?/?), die verschiedene Gehaltsgruppen ansprechen und so eine Mischkalkulation möglich machen.

    Was ich wirklich schade finde und was sich auch leider mit meiner eigenen Erfahrung deckt, sind die sehr wenigen Danksagungen und feedbacks, die Du für Deine kostenlose Arbeit bekommen hast. Es macht mich traurig und etwas hoffnungslos, dass scheinbar doch Bequemlichkeit und Egoismus in den Menschen die Oberhand zu haben scheint. Aber die Gründe dafür sind vielfältig und ich kenne glücklicherweise auch andere Beispiele die zumindest ein kleiner Lichtblick sind. Jedoch zeigt es auch auf, dass man für sich selbst sorgen muss und nicht nur auf die Ehrlichkeit der Menschen hoffen darf, auch wenn es ein schönes Ideal ist.

    1. Hallo Dennis,

      vielen Dank das Teilen Deiner Gedanken.

      Ja, es ist auch für mich eine Art Gedankenkarussel, wenn es um die Preisbestimmung geht. Und so wie viele andere selbständige Blogger und Coaches es auch beschreiben, fängt es vielleicht mal wieder bei einem selbst an. Zu der Frage, was ich zum glücklich sein brauche (ich beziehe das jetzt ausnahmsweise mal nur auf finanzielle Mittel), kann ich einen monatlichen Geldbetrag nennen. Wenn ich das auf ein Stunden-Honorar umrechne, ist die Anzahl der durchgeführten, bezahlten Dienstleistungsstunden relevant. Also würde ich in einem Monat mit weniger Aufträgen höhere Honorare verlangen?

      Ich denke, dass es für mich eher darum geht, meinen persönlichen Stunden-Wert zu bemessen. Das ist schwer genug. Und dann bedarf es wohl immer noch Orientierung am Klienten und am Markt.

      Ich bleibe dran :)

      Herzlich

      Christian

Kommentar verfassen