Eine klare Orientierung mit Kopf und Bauch

Annika ist heiter und voller Energie, fast wirkt sie ein wenig gestresst. Ihr Terminkalender ist voll und ihr Zeitplan knapp, möglichst effizient will sie ihre Zeit einsetzen. Als promovierte Biologin hält sie es nicht nur für normal, viel Arbeit in kurzer Zeit zu bewältigen, sondern das wurde von Ihrem Arbeitgeber auch so erwartet. Immerhin war es ein renommiertes Institut für Molekularbiologie, das hohe Anforderungen an seine Doktoranden stellt.

Erst seit wenigen Monaten darf Annika sich mit einem Dr. titeln. Auch wenn die Promotion mit ein paar Monaten Verzögerung abgeschlossen wurde, ist sie mit 30 Jahren ganz gut im Rennen. Ihre schnelle Auffassungsgabe und ihr Scharfsinn kommen mit einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen und sehr einladendem Wesen einher. Das klingt doch alles ganz gut, könnte man meinen. Weshalb ist sie arbeitssuchend?

Sie sucht nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern auch eine klare Orientierung. Da sie eigentlich nach München möchte, lebt sie seit mehreren Monaten in Zwischenmiete oder sittet Wohnungen von Bekannten. Annika vermeidet die bremsende Wirkung einer festen Bleibe. Dafür führt sie aktuell ein Leben aus dem Koffer, ohne festen örtlichen Bezug. Ihre Sozialkontakte in Heidelberg und Mannheim bröckeln, da Ihre Freunde nach und nach die Stadt verlassen, um sich an anderen Orten längerfristig niederzulassen.

Nun ist es nicht so, dass Annika reihenweise Bewerbungen geschrieben und Absagen erhalten hätte. Nein, sie hat nur wenige ausgewählte Unternehmen angeschrieben. Sie glaubt sich unsicher in ihrem Auftritt, ihrer Darstellung. Die fünf Jahre ihrer Doktorarbeit am Institut haben sie nicht nur geprägt, sondern ihr schließlich Grenzen aufgezeigt, Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Toleranz bezüglich sozialer Inkompetenz und Ignoranz ihrer Vorgesetzten. Ohne das lange Zeit gezeigt zu haben, fühlte sie sich dann so überfordert, dass sie sogar an den Abbruch Ihrer Doktorarbeit dachte. Ihre ausgedrückte Leichtigkeit und Souveränität täuschten Vorgesetzte und Kollegen über das hinweg, was wirklich in ihr vorging.

Doch es sind nicht nur äußere Erwartungen, die sie konfrontieren. Wie Annika selbst sagt, besteht eine Resonanz in ihr. Dabei fällt es ihr schwer, äußere und innere Erwartungshaltung an sie zu trennen. Obwohl sie sich selbst gut kennt, sucht sie nach einer Einordnung in die Gesellschaft, das Arbeitsleben, in einen größeren Kontext. Sie möchte sich sozusagen relativieren und in einem „wahren“ Licht sehen und auch so darstellen. Was ist wirklich ihr Wesen? Sie sucht auch nach der treibenden Kraft in sich, ihrer eigenen Motivation, um sich dann zielgerichtet um ein neues Wirkungsfeld zu bemühen.

Bei der Zieldefinition unserer Zusammenarbeit betont Annika, wie wichtig es ihr sei, dass sie durch mich ihre Normen und ihre Sicht auf die Welt und auch auf sich selbst hinterfragen und abstimmen möchte. Wir beginnen auf der Werteebene zu arbeiten. Schnell hat sie über 20 ihrer Lieblingstätigkeiten aufgelistet, mit einem jeweils einleitenden und sich selbst bewussten „Ich…“. Auch beim nächsten Schritt, die Qualität hinter dem jeweiligen Verhalten oder Erleben zu erforschen, tut sie sich leicht. Ihre daraus abgleiteten Werte verdichtet sie alsbald auf acht zentrale.

Ihre notierten Werte sind: Verbindung, Selbstverwirklichung, Fortschritt, Vielfalt, Lebenskraft, Ermöglichung, Bewusstsein, Vertrauen. In einer kleinen Aufstellung stellt Annika diese nicht nur in einen gegenseitigen Bezug, sondern auch in Verbindung mit Zeit und Umwelt. Wenn sie zurückschaut in die Vergangenheit, empfindet sie ihr jetziges Wertesystem als weit und offen. Die Selbstverwirklichung gibt ihr eine Richtung und die Ermöglichung schafft die Verbindung zum Umfeld und zu anderen Menschen. Selbstverwirklichung oder Ermöglichung jeweils allein macht für sie keinen ausreichenden Sinn, wohl aber beides gemeinsam.

Dann widmen wir uns ihren Vorstellungen eines idealen Arbeitstages – in ihrem zukünftigen Wirkungsfeld. Annika bemerkt, wie wichtig ihr das Empfinden dabei ist. Schon ihr wohlig kribbelndes Gefühl beim morgendlichen Aufstehen und die Gedanken an die bevorstehenden Aufgaben stärken sie. Und auch in der Zusammenarbeit mit Zimmerkollegen, Auftraggebern oder Kunden ist ihr die Verbindung durch gegenseitige Achtung und gemeinsame Ausrichtung auf eine gemeinsame Vison wichtig. So könnten sogar Routineaufgaben als sinnvoll von ihr empfunden werden.

Die Frage, was sie am meisten in der Welt nervt, führt sie dann sogar zu konkreteren Ideen ihrer Tätigkeit: Vermitteln, Beraten, Aufklären, Informieren und damit die Ignoranz in der Welt abbauen. Komplexe Zusammenhänge mit einer schönen Einfachheit für andere nachvollziehbar machen. Sie möchte andere Menschen davon begeistern und sich ebenso begeistern lassen. Sie möchte Menschen Impulse geben, vernetzen und dadurch Kollaboration ermöglichen. Und sie möchte ihren ganz eigenen Beitrag dazu leisten, dass Menschen ihr wahres Potenzial leben. Eine wichtige Erkenntnis kommt ihr dann beim Resümieren des Coachings. Doch das kann sie am Besten selbst beschreiben:

Meine wichtigste Erkenntnis des Coachings kam aus einer ganz unterwarteten Richtung beim Feedback am letzten Tag: Ich wollte sicher sein, dass ich auch wirklich meinen Weg gehe und nicht irgendwelchen Zielen hinterherjage, die ich eigentlich nur von anderen übernommen habe. Daher war mein großes Ziel für das Coaching, mehr Kontext und Sicherheit für mich zu finden, um mich so vom Rest der Welt abzugrenzen und zu definieren. Was stattdessen passiert ist, ist das Folgende: Während des Coachings hat mir Christian geholfen, aus meinem Kopf rauszukommen und Sachen auch „durchzuspüren“. Sowohl meine Werte als auch meinen perfekten Arbeitstag. Dadurch konnte ich sozusagen mein Bauchgefühl wieder ins Boot holen bei der Findung meiner nächsten beruflichen Schritte. Und das gibt mir auf eine ganz andere Art und Weise, als ich erwartet und gesucht hatte, Sicherheit über meinen eigenen Weg. Ich muss nicht mehr alles wissen und nur in meinem Kopf entscheiden, welcher Schritt oder welches Ziel die richtigen sind. Ich kann auch das Feedback meiner Sinne und Emotionen benutzen und stehe dadurch auf einem viel breiteren Fundament. Und ich fühle mich – überraschenderweise und obwohl ich natürlich immer noch nicht alles weiß und kenne – viel gefestigter und sicherer mit mir und meinem Weg und ich habe Lust, die nächsten Schritte zu gehen und zu entdecken! Danke Christian, das war sehr hilfreich und augenöffnend für mich!

Annika, Mannheim

Kommentar verfassen