Du hast Erfolg – was willst Du mehr!?

Isabella geht mit einem ordentlichen Vertrauensvorschuss in unser Coaching. Während sie am Abend bis spät arbeitet, nimmt mich ihr Freund in Landshut in Empfang, führt mich in ihre Wohnung, zeigt mir alles Notwendige – und geht wieder. Er wohnt nämlich gar nicht bei ihr. Und so bleibe ich allein mit dem Stubentiger, der sich schnell an mich gewöhnt. Ein Willkommens Schild sagt mir, dass ich mich wie daheim fühlen soll. Post-its weisen mir in der Wohnung den Weg. Der Kühlschrank ist gefüllt. Isabella selbst soll ich erst am nächsten Tag beim Frühstück kennen lernen. Ich fühle mich geehrt durch das entgegengebrachte Vertrauen. Wirklich nicht alltäglich diese Situation.

Und so lasse ich zunächst Isabellas Umfeld auf mich wirken. Überall stehen Zitate an den Wänden, die bewusst machen, was wirklich wichtig ist im Leben, um glücklich zu sein. Die Wohnung ist farbenfroh und lebendig eingerichtet. Es hängen mit warmen Farben gemalte Bilder an den Wänden, mit bunten Glassteinen, Blumen und Feen verziert – wahrscheinlich selbst gemacht. Verspielt, lebensfroh und bewusst, das ist mein erster indirekter Eindruck von Isabella.

Tatsächlich schütteln wir uns dann erst zum Frühstück die Hand und kommen schnell ins Gespräch. Isabella bestätigt ein Stück weit meinen ersten Eindruck, erzählt aber auch, dass es erst einige Monate her ist, dass sie wegen Depression in einer psychosomatischen Klinik war. Sie schien mit nichts mehr zufrieden und sah keinen Sinn mehr in ihrem Tun. Doch das ist zu kurz gegriffen. Ihr Leidensweg begann schon vor vielen Jahren.

Nicht wirklich aus eigener Motivation, sondern aus der Arbeitslosigkeit heraus machte sich Isabella vor knapp zehn Jahren selbständig mit einem Haushaltsservice, der ursprünglich vor allem für Senioren gedacht war. Ihre Dienste schienen besser zu sein als die der Mitbewerber, so dass sie irgendwann sechs Mitarbeiter hatte. Doch degenerierte die ursprüngliche Geschäftsidee schnell zu einer Putzfirma. Isabella hatte sich mehr und mehr von ihrer Vision entfernt – und spürte es.

Hinzu kam, dass Isabella nie gelernt hatte, Mitarbeiter einzustellen oder zu führen. Sie war ja für sich selbst das erste Mal die eigene Chefin. Wenn Mitarbeiter ausfielen, sprang sie ein. Und so arbeitete sie effektiv mehr, als es in einem Angestelltenverhältnis notwendig gewesen wäre. Sie spürte bereits, dass etwas nicht in Ordnung war – änderte jedoch nichts an der Situation. Ihr damaliger Partner war leider auch alles andere als eine Unterstützung.

Vor 5 Jahren kam es dann zu einer einschneidenden Operation, die Isabella die Chance auf eigene Kinder verwehrte. Da sie bislang keinen Kinderwunsch verspürt hatte, gaben ihr die körperlichen Beschwerden keinen besonderen Anlass, über sich nachzudenken. Ohnehin kriselte es in ihrer langjährigen Beziehung.

Vor drei Jahren hatte sich scheinbar genug Unzufriedenheit in Isabella aufgebaut, war zu lange unterdrückt worden, so dass sie eines Morgens aufwachte, ohne aufstehen zu können. Zu schwach fühlte sie sich, zu sinnlos schien ihr Leben ihr zu sein. Kurze Zeit später begab sie sich in eine Psychiatrische Tagesklinik und blieb für 12 Wochen. Neben den Behandlungsterminen blieb viel freie Zeit, die sie zunächst nicht zu füllen wusste. Nichtstun hatte sie nie gelernt.

Immer hatte sie das Gefühl gehabt, etwas tun zu müssen, dass etwas vorangehen muss, Ergebnisse zeigen. Ihren Weg nach innen, zu sich selbst, beschritt sie dann zunächst mit Büchern, eine neue Erfahrung für sie. Und doch formte sich noch kein Weg, wie es mit ihr weitergehen sollte. Außer einem Schritt, dessen sich Isabella sicher war und mit Hilfe der Klinik-Mitarbeiter vorbereitete – die Trennung von ihrem damaligen Partner.

Diesen Plan verwirklichend und neue Freiheit zurückgewinnend kam sie für einige Zeit bei ihrem Bruder unter, was ihr auch nicht leicht viel. Doch den Ärger um gemeinsam mit ihrem Ex-Partner angeschaffte Güter war es ihr nicht Wert, dass sie ihre Wohnungseinrichtung erhielt. Und was tat sie beruflich? Sie hatte ihr Geschäft aufgegeben und ihre Mitarbeiter in andere gute Arbeitgeber-Hände abgegeben. Da sie kurzfristig Geld brauchte und die Arbeitsagentur auch keine bessere Idee hatte, ging sie erneut putzen. Sie übte also die gleiche Tätigkeit aus, die ihr schon vorher sinnlos erschienen war.

Und zu was führte das? Erst vor wenigen Monaten litt sie schließlich unter so starken Depressionen, dass sie erneut in die Klinik ging, um sich helfen zu lassen. Dieses Mal lernte sie u. a. Achtsamkeit sich selbst gegenüber und wie sie ihre Bedürfnisse mit „Gewaltfreier Kommunikation“ auch anderen gegenüber ausdrücken konnte. Letzteres weckte ihr besonderes Interesse. Sie dachte daran, wie glücklich Menschen sein könnte, wenn sie solch ein „soziales Kompetenztraining“ schon viel früher bekämen, nicht erst mit 46 Jahren, sondern vielleicht schon als Kind…

Isabella hat in letzter Zeit wahre Entwicklungssprünge gemacht, viel über sich selbst erkannt. Z. B. liebt sie Tanzen, Malen, kindliche Leichtigkeit und Humor. Und sie hat endlich begriffen, dass ihr beruflich etwas ganz anderes vorschwebt als Putzen. Sie sucht nach ihrer Lebensaufgabe – und deshalb hat sie mich zu ihr eingeladen.

Inzwischen fällt es ihr leicht, ihre Lieblingstätigkeiten aufzuschreiben. Weshalb sie sie gerne macht, ist ihr ebenfalls schon bewusst. Und so haben wir schließlich neun Werte, die ihr grundsätzlich wichtig sind im Leben: Leichtigkeit, Urvertrauen, Gemeinschaft, Freiheit, Entfaltung, Wertschätzung, Selbsterkenntnis, Bewusstsein.

In der Aufstellung ihrer Werte merkt Isabella schnell, dass der Erfolg ihr gar nicht so wichtig ist. Sie glaubt, dass dieser sich automatisch einstellt, wenn sie authentisch ist. Dafür spürt sie ganz deutlich, dass ihr Familie viel wichtiger ist, als sie bisher angenommen oder zugelassen hatte. Beim Schlussbild der Aufstellung hat Familie eine zentrale Position. Überraschenderweise hat das Bewusstsein die Aufgabe, Isabella vor unachtsamer Freiheit zu schützen, die sie überfordern könnte.

Mit dem Gefühl, dass sich etwas in Isabella getan hat, gehen wir spazieren. Sie erzählt von ihren letzten beruflichen Versuchen. Das Praktikum in einer Kindertagesstätte hat nicht nur die Leitung von Isabellas Qualitäten überzeugt, sondern auch sie selbst spürt, dass die Arbeit mit Kindern ihr liegt, insbesondere die mit abseits stehenden Kindern. Ihre aktuelle Tätigkeit an der Rezeption eines Hotels fordert sie durch die Schichten zwar stark heraus, zeigt ihr allerdings auch durch die Zufriedenheit der Gäste, dass sie ein besonderes Talent hat, mit anderen wertschätzend zu kommunizieren.

Es ist nicht verwunderlich, dass sie für ihren idealen Arbeitstag eine recht konkrete Vision hat: Therapeutisches Arbeiten mit Eltern und Kind, gemeinsam mit einer Kollegin als eingespieltes Team, möglichst im eigenen Haus. Ihr Coaching-Ziel haben wir somit erreicht. Im Nachgang gehen wir Möglichkeiten durch, die sie möglichst schnell in den gewünschten Wirkungskreis bringen.

Wie sich gezeigt hat, ist Isabella bereits seit einiger Zeit auf ihrem Weg, doch war es ihr nicht bewusst. Sie war sich unsicher, bei all den Zweifeln in ihrer Umgebung, und auch in sich selbst, ihren eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Nun darf sie mit neu gewonnener Selbstbestätigung weitergehen und Stück für Stück das in ihr Leben holen, was sie wirklich mit Glück erfüllt.

Ich danke Isabella sehr für den deutlichen Vertrauensvorschuss, der unsere Zusammenarbeit von Anfang an sehr effektiv und harmonisch gemacht hat. Und schließlich war es ihr Mut, ihre Ideen zu äußern, der sie ein großes Stück weitergebracht hat. Die nächsten Schritte sind klar und ich bin neugierig zu erfahren, welche Möglichkeiten einer kollegialen Zusammenarbeit mit einer Therapeutin sich ergeben.

Ich kann nur jedem dazu Raten. Bei mir war es so, dass ich zwar Wünsche hatte und auch eine Vorstellung, aber manchmal braucht man eine Bestätigung im Leben. In meiner Familie ist es etwas, was keiner so recht versteht. Ich meine damit dass man in die Arbeit geht und auch noch Freude dabei hat. Arbeit ist nur dazu da um Geld nach Hause zu bringen. Ich hatte immer nur ein „Gefühl “ wenn man den PERFEKTEN Job eigentlich hat. Arbeitszeit passt, nette Leute, man kann sich die Arbeit selber einteilen. So aussagen wie: „Was willst du denn noch?!“ hörte ich oft und konnte aber nichts darauf antworten weil ich anfangs selber nicht wusste was ich will. Es war alles so Sinnlos.

Mit dir Christian war die Zusammenarbeit von Anfang an angenehm und es gab ganz oft so diese A-HA-Effekte. Es kamen Dinge zum Vorschein die mir nicht Bewusst waren. Das schöne ist du gibst nur Anleitung und führst ganz Klasse alles andere kam von alleine. Ich muss gestehen ich hatte anfangs angst mich beeinflussen zu lassen. Diese Angst war völlig unbegründet, weil man alles selber erarbeitet.

Vielen Dank für diese wunderbare Erfahrung und die Zeit mit Dir.
Isabella, Landshut

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