Die ominöse Gesellschaft

Ich treffe Anika in einem Café in Rostocks Viertel KTV. Sie macht einen sehr interessierten, aufgeweckten Eindruck auf mich. Wie passend, denn auch als Wissenschaftlerin möchte sie den Dingen auf den Grund gehen. Sie hat ihr Diplom in Biologie gemacht, nachdem sie bereits eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation in der Tasche hatte. Auch wenn ihr der kommunikative Teil liegt, die Tätigkeit im Büro befriedigt sie nicht. Sie hätte diese „solide“ Ausbildung vermutlich aus Sicherheitsaspekten gemacht.

Von Neugier motiviert, mit der Frage, wie alles zusammenhängt, absolvierte sie dann ihr Biologie-Studium. Auch wenn ihr das Grundstudium darauf leider keine Antworten lieferte, hielt sie durch bis zum Diplom. Nach den ersten beruflichen Stationen kommt sie ins Stocken, denn die Tätigkeiten fühlen sich nicht richtig, nicht passend an. Sie erfährt, dass es in der Wissenschaft scheinbar mehr darum geht, gewünschte Ergebnisse nachzuweisen als Neues unvoreingenommen zu erforschen. Zunächst arbeitet sie in einem Tierversuchslabor. Dürfen Tiere leiden zugunsten menschlicher Gesundheit? Aktuell zieht sie Pflanzen an, an denen zusammen mit Insekten Pestizide getestet werden, damit unsere Nahrung noch effizienter hergestellt werden kann. Leistet sie damit einen Beitrag zum Großen Ganzen?

Und weil sich Anika viele Fragen stellt und sich auch mit anderen Leidensgenossen austauscht, wurde sie schließlich auf mich und meine Internetseite aufmerksam. Für die eineinhalb Tage, an denen ich bei ihr bin, nimmt sie sich ausschließlich Zeit für uns, für sich, für ihre Veränderungsarbeit. Ihre kleine Tochter und ihr Partner haben sich dazu zu den Großeltern zurückgezogen und geben ihr den gewünschten Freiraum. Es ist schon sehr ungewohnt für Anika, ihre Familie nicht um sich zu haben. Doch jetzt geht es mal nur um sie, um das was sie beruflich wirklich erfüllt. Sie spürt mit ihren 36 Jahren mehr als je zuvor, dass sie einen sinnvollen Beitrag für etwas Größeres leisten kann und will.

Auch wenn es Anika zunächst nicht leicht fällt, sich ihrer Lieblingstätigkeiten bewusst zu werden, stehen doch nach kurzer Zeit 20 von ihnen auf dem Papier. Die Qualitäten dahinter sind ebenso schnell gefunden. Ihre darin zum Ausdruck kommenden Werte sind vielfältig und zahlreich, so dass wir sie schließlich auf zehn Begriffe bündeln: Sicherheit, Fairness, Anerkennung, Gemeinschaft, Freude, Fantasie, Leichtigkeit, Freiheit, Authentizität/Selbstwerdung, Sinn.

Anika stellt ihre Werte auf, zunächst kreisförmig, um jedem Wert die gleiche Wertigkeit zu geben, wie sie selbst sagt. Dann ordnet sie ihre Werte an, um und geht aus der Sicht der unterschiedlichen Werte in einen Dialog. Sicherheit ist ihr zunächst mehr ein lästiges Übel. Als sie jedoch erkennt, dass ihr erst die Sicherheit die Möglichkeit gibt, sich auch ihren Bedürfnissen nach Freiheit und Selbstwerdung zu widmen, integriert sie sie in ihr Werte-System. In der Aufstellung ergibt sich auch, dass Sinn für Anika das Verbindungsglied zwischen ihren anderen Werten und Bestrebungen ist.

Als wir über ihre Bewerbungen, Formulierungen und Inhalte reden, fällt immer wieder der Satz: Das kann man doch nicht machen… Wir ergründen gemeinsam, ob „man“ sie selbst ist oder eine unbekannte dritte Person. Wir können niemand anderen ausmachen als „die anderen“, eine nicht benannte, ominöse Gesellschaft. Doch wer sagt tatsächlich, dass Du dies oder jenes nicht tun kannst, oder besser gesagt, darfst? (Denn die Fähigkeit ist oft nicht in Frage gestellt.) Gibt es dafür eine unbedingte Regel, es auf einen bestimmte Weise zu tun oder zu unterlassen? Was passiert, wenn Du es anders machst?

Es sind Glaubenssätze, die Anika vom selbstbestimmten, authentischen Tun abhalten. Verinnerlichte, verallgemeinerte „Regeln“, die irgendwann einmal von ihr – wahrscheinlich unbewusst – übernommen wurden, ohne jemals hinterfragt worden zu sein. Dabei hatten sie vielleicht in vergangenen Situationen eine Bedeutung und auch ihre Richtigkeit. Doch nun passen sie nicht mehr und wollen durch neue, weiterführende Glaubenssätze ersetzt werden. Für Anika eine gute Gelegenheit, ihrem Bedürfnis nach Hinterfragen, Durchdringen und Verstehen nachzugehen und ihre wirkenden Glaubenssätze auf Nützlichkeit zu überprüfen.

Nachdem wir uns ihre bisherigen Bewerbungsunterlagen angesehen und optimiert haben und sie den Mut gefasst hat, nun doch das auszusprechen, was ihr in ihrer Arbeitsstelle wichtig ist, schreibt sie munter drauf los, um ein neues, überzeugendes Anschreiben zu erstellen. Sie schildert darin, weshalb sie für genau dieses Unternehmen arbeiten möchte, was sie motiviert, was sie toll findet und weshalb sie gut zum Arbeitgeber passt. Das nenne ich mal überzeugend ehrlich :)

So richtig in Fahrt gekommen, ihre persönliche Komfortzone auszudehnen, gehen wir in einem nahe gelegenen See baden, in dem sie in all den Jahren, in denen sie hier schon wohnt, noch nicht ein Mal richtig drin war. Irgendwie hatte sie sich bisher nicht getraut. Danach legen wir uns auf eine Wiese und erträumen ihren idealen Arbeitstag. Der hat viel mit Freiheit, Abwechslung und überraschend auch mit Kreativität zu tun, die in ihren bisherigen Stellen immer zu kurz kam.

Am Abend überprüfen wir das Erreichen der gesetzten Coaching-Ziele. Tatsächlich haben wir es geschafft: Anika hat eine Vorstellung, eine Richtung, in die sie sich beruflich entwickeln kann: Z. B. Gartentherapie, Umweltbildung oder Urban-Gardening sind Bereiche, die sie interessieren, in die sie ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und auch ihre Wertvorstellungen einbringen kann – eben sich selbst als ganzes Wesen. Doch eigentlich ging es gar nicht so sehr um das Herausfinden, was sie machen könnte. Diese Ideen hatte sie nämlich schon entwickelt. Es ging vielmehr um das „GO“, sich in diese Richtung zu betätigen, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Und diese innere Erlaubnis hat sie jetzt.

Ich danke Anika für ihren Mut, ihre Offenheit und die Freude, die sie in das Coaching eingebracht und damit unsere Zusammenarbeit positiv mitgestaltet hat. Auch bedanke ich mich herzlich für den Reisekostenzuschuss, der einmal mehr beweist, dass ich von dem, was ich gerne tue, nicht nur leben, sondern auch reisen kann :)

Je näher mein Coaching rückte, desto unsicherer und aufgeregter wurde ich. Was erwartet mich? Kann ich mich öffnen? Wie profitiere ich davon? Wer ist der Mensch der mich da besucht? Viele Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Jedoch warf ich meine Bedenken ziemlich bald über Bord nachdem Christian und ich uns persönlich kennenlernten. Durch seine überaus sympathische, unkoplizierte Art und sein ausgeprägtes Interesse, fiel es mir leicht mich zu öffnen. Ich ließ mich schnell voll und ganz auf das Coaching ein. Christians Kompetenz und Verbindlichkeit gaben mir dabei den nötigen Rückenwind. Durch die verschiedenen Aufgaben habe ich meine Grundbedürfnisse erkannt bzw. neu entdeckt. Es kommt mir vor als wären sie vom grauen Nebenzimmer mitten ins sonnige Wohnzimmer gezogen und nun machen sie es sich auf dem Sofa so richtig gemütlich. Ich weiß jetzt, dass ich Ihnen Achtung schenken muss und will, um die Tätigkeit zu finden die zu mir passt und zu der ich passe.
Die gezielten Nachfragen und Denkanstöße von Christian, haben mich sensibilisiert den Umgang mit mir selbst im Auge zu behalten und Glaubenssätze bzw. Verallgemeinerungen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die Tipps für das Bewerbungsanschreiben waren mir auch sehr wichtig und haben den Knoten platzen lassen mich endlich authentisch darzustellen. Die Intensive Zeit für mich zu haben hat mir sehr gut getan. Ich fühle mich jetzt wieder wertvoll und habe das Gefühl zurückgewonnen etwas beitragen zu können. Das Coaching hat mich näher zu mir und dem was ich machen möchte gebracht und ich freue mich mir den Ruck gegeben zu haben etwas Neues zu wagen. Ich möchte Christian herzlich danken für seine Inspiration und Unterstützung und die tolle Idee der DienstReise. Die Zusammenarbeit mit ihm hat mich gefordert, aber es hat sich gelohnt und ich bin begeistert unser gesetztes Ziel erreicht zu haben. Vielen Dank Christian!
Anika, Rostock

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