Burnout in der Bewerbung

Wieder einmal greife ich eine Frage auf, die mir häufig im BewerberCoaching begegnet: „Ich hatte Burnout, wie gehe ich damit in der Bewerbung um?“

Arbeitsrechtlich zählt Burnout als Krankheit zum privaten Bereich eines Bewerbers. Und was jemand aus seinem Privatleben im Zuge einer Bewerbung preisgibt, ist seine freie, persönliche Entscheidung. Keiner wird also gezwungen, seine Einstellungschancen dadurch zu mindern, indem Krankheiten offengelegt werden.

Eine Ausnahme stellen solche Einschränkungen dar, die den im Arbeitsvertrag erwarteten Aufgaben entgegenstehen. Habe ich beispielsweise ein Rückenleiden und soll schwere Lasten heben, so muss ich meine Einschränkung angeben, spätestens vor Abschluss des Arbeitsvertrags.

Hattest Du Burnout und Du bist noch eingeschränkt, z. B. durch eine geringere Stressresistenz, bist Du keinesfalls verpflichtet, dies anzugeben. Von einer Erwähnung in Deinen Bewerbungsunterlagen rate ich ohnehin ab. Andererseits empfiehlt es sich dann ebenso wenig, Stressresistenz als persönliche Eigenschaft zu nennen.

Burnout als solches gehört nicht in den Lebenslauf. Was aber ist nun mit Lücken oder „Auszeiten“, die sich durch die Krankheit bzw. die anschließende Therapie ergeben können? Du hast die Möglichkeit, tatsächlich eine Lücke im Lebenslauf zu lassen. Personaler vermuten (aus Angst) leider erst einmal das Schlimmste. War oder ist der Bewerber drogenabhängig, war er vielleicht im Vollzug etc.?

Mut zur Lücke kommt daher nicht unbedingt gut an. Was aber schreibst Du dann in den Lebenslauf? Eine sowohl ehrliche als auch positive Formulierung ist „Genesung“. Das impliziert zwar eine Krankheit, aber eben auch die (hoffentlich erfolgreich abgeschlossene) Genesung. Daraus lässt sich ansatzweise schließen, dass Du wieder fit und voll einsatzfähig bist. Details einer Behandlung gehören jedoch nicht in die Bewerbung.

Was dem Personaler bleibt, sind Restzweifel: Wird der Bewerber wieder krank? Wird er dadurch Fehlzeiten haben? Wird er uns langfristig zur Verfügung stehen? Berechtigte Zweifel, wie ich finde. Also solltest Du sie in Deiner Bewerbung entkräften. Nur wie? Das hängt ganz von Dir ab. Wenn Du Dich überzeugend ehrlich bewerben möchtest, folgt die Darstellung Deiner Einstellung.

Wie also gehst Du selbst mit Deiner Krankheit um? Fühlst Du Dich wieder fit? Was unternimmst Du, damit Du gesund bleibst? Bei der Therapie eines Burnout ist regelmäßig die Reflexion der Ursachen ein wichtiger Bestandteil. Was hast Du also aus Deiner Krankheit über Dich gelernt? Was wirst Du künftig anders machen?

Hast Du Antworten für Dich selbst gefunden, kannst Du auch Deinem künftigen Arbeitgeber glaubhaft versichern, dass Du ihn nachhaltig unterstützen wirst. Dazu bietet sich Dein Anschreiben an. Schreibe, was Dir bei der Arbeit wichtig ist, was Du schätzen gelernt hast, welche Werte Du hast. Erzähle, wie Du für Dich und Deine Aufgaben Verantwortung übernimmst. Womit sorgst Du für psychischen und physischen Ausgleich in Deinem Leben? Für Letzteres eignet sich übrigens die Rubrik „Private Interessen“ im Lebenslauf besonders gut.

Die Annahme einer Teilzeit-Anstellung kann nebenbei bemerkt besonderen Sinn machen. Damit vermeidest Du direkt nach Deiner Genesung eine zu große Herausforderung und gewöhnst Dich langsam wieder in das Arbeitsleben ein. Viele nutzen einen Burnout auch, sich beruflich neu zu orientieren, da sie merken, dass ihr bisheriges Betätigungsfeld nicht mehr zu ihren Werten und Vorstellungen passt. Eine „Auszeit“ bietet daher auch die Chance zu wertvollen Erkenntnissen und Veränderungen.

Hast Du Fragen zur Darstellung Deiner krankheitsbedingten „Auszeit“? Dann schreibe mir. Entweder unten im Kommentarfeld oder ganz persönlich per Email.

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