Bewerbung intitiativ und clever

Immer wieder taucht die Frage auf, was bei Initiativ-Bewerbungen zu beachten ist. An sich sind auf die gleichen Punkte wert zu legen wie bei Direkt-Bewerbungen auch. Der wesentliche Unterschied ist natürlich, dass der Bezug zu einem Stellenangebot nicht möglich ist. Ich kann mich als Bewerber daher nicht passend für eine Position anbieten – oder doch?

Eine Beziehungsbrücke zum Unternehmen zu bauen, gilt es grundsätzlich bei jeder Bewerbung. Bei einer initiativen Bewerbung ist das jedoch ein zentrales Element. Schließlich habe ich einen guten Grund für die Auswahl dieses Unternehmens als mein künftiger Arbeitgeber. Falls Du das für Deine Bewerbung anders siehst, empfehle ich dringend: Augen auf bei der Partnerwahl :)

Was Du also als Erstes tun solltest: Bringe alles über Deinen Wunsch-Arbeitgeber in Erfahrung, was möglich ist. Je besser Du ihn kennst, desto besser kannst Du auf ihn, seine Bedürfnisse, seine Sorgen und Nöte eingehen. Klingt das merkwürdig für Dich? Genau darauf kommt es bei der Initiativ-Bewerbung besonders an: Du machst einem Unternehmen ein möglichst konkretes Angebot, zu seinem Erfolg beizutragen. Also wo, bei was und wodurch genau kannst Du einen Mehrwert bieten?

Informationen über Deinen potenziellen Arbeitgeber bekommst Du z. B. durch

  • die Unternehmensseite im Internet (insbesondere unter Karriere, Leitbild, Ziele, Produkte, Aktuelles, aber auch Dein erster Eindruck und Deine Emotionen beim Sichten der Webseite sind entscheidend)
  • facebook-Auftritt
  • Bewertungen von Kunden
  • www.kununu.de
  • www.glassdoor.de
  • Presseartikel (einfach Unternehmen googeln)
  • beim Unternehmen vor Ort
    • Welchen Eindruck hast Du vom Gelände, Gebäude, Parkplatz etc.?
    • Kommst Du vielleicht sogar ins Gebäude, an den Empfang?
    • Welche Leute begegnen Dir wie freundlich?
    • Wie wirken Mitarbeiter auf Dich, die in den Feierabend oder die Pause gehen?
    • Vielleicht folgst Du den Kollegen ins nahe gelegene Restaurant und setzt Dich an den Nachbartisch..?
  • Sei kreativ bei der Recherche, spiele ein wenig Sherlock Holmes!

Mit den gesammelten Informationen und Eindrücken machst Du Dir ein Bild. Vielleicht entscheidest Du Dich dann sogar noch gegen eine Bewerbung!? Wenn Du Dich dafür entscheidest, überlege Dir warum. Was spricht Dich an? Wo habt Ihr Gemeinsamkeiten in Einstellungen, Werten, Zielen? Und damit baust Du die Einleitung im Anschreiben auf.

Während Vorgenanntes einer Kaltakquise entspricht, bietet sich vielleicht auch ein „warmer“ Auftakt: Baue vorab Kontakt zu Mitarbeitern, bestenfalls sogar direkt zu Personalentscheidern, auf. Gelegenheiten bieten sich beim Tag der offenen Tür, auf Messen, durch soziale (vor allem reale) Kontakte oder durch direkte telefonische Kontaktaufnahme.

Solch ein Gespräch sollte immer sehr gut vorbereitet sein. „Einfach nur anrufen“ bringt wenig außer Verdruss auf beiden Seiten. Gehe davon aus, dass Du nicht der einzige Anrufer an diesem Tag bist. Überlege Dir, was Du über Deinen potenziell neuen Arbeitgeber wissen möchtest, was für Dich entscheidend ist, damit Du Dich bewerben möchtest.

Wenn Du zuvor einen Kontakt hergestellt hast, kannst Du in Deinem Anschreiben darauf Bezug nehmen. Mache das auch inhaltlich. Also bitte nicht nur „danke für das nette Telefonat vom…“, sondern greife einen konkreten, inhaltlichen und persönlichen Punkt des Gesprächs auf, der Dich zur Bewerbung veranlasst.

Im weiteren Verlauf des Anschreibens solltest Du Deine Persönlichkeit ein wenig greifbar machen. Die reine Aufzählung von Eigenschaftswörtern bringt Dich allerdings nicht weiter (wie in keiner anderen Bewerbung auch). Überlege Dir, in welcher Position Du Dich am liebsten siehst, welche Tätigkeit mit welcher Verantwortung Du gerne ausüben möchtest.

Auf diese virtuelle (und auch gern für Dich verschriftlichte) Stellenbeschreibung kannst Du Dich nun beziehen. Neben der fachlichen Eignung (Qualifikation und Berufserfahrung) solltest Du im Anschreiben allerdings verstärkt auf Deine persönliche oder personelle Passung zur Stelle eingehen. Welche Deiner Eigenschaften, Arbeitsweisen und Talente werden bei Deiner Wunsch-Position gebraucht?

Und wie für jede andere Bewerbung auch, bringst Du die (vermutlich) benötigten Eigenschaften in einen situativen Zusammenhang. Du nennst also nicht nur Adjektive, sondern Du schilderst, in welcher (beruflichen) Situation, Aufgabe oder Herausforderung Du mit dieser Eigenschaft erfolgreich warst. Im Marketing heißt das story-telling.

Im Grunde genommen weicht die Vorgehensweise bei einer Initiativ-Bewerbung nicht wesentlich von einer Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle ab. Es bedarf vielleicht ein wenig mehr Recherche, Fantasie und Mut.

Dass es sich lohnt, steht außer Zweifel: Ein Großteil der vakanten Stellen sind angeblich nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern werden über „Beziehungen“ besetzt. Und selbst wenn es nicht gleich zur Einstellung kommt, machst Du Dich dem Unternehmen mit Deiner Bewerbung bekannt und landest vielleicht in seinem „Talente-Pool“. Gut Ding will manchmal Weile haben.

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